fuck you very much

4. September 2011

fuck you very much.

Ein wirklich schönes tumblr-Blog.

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http://facialawareness.tumblr.com/

(maria pöttering)

das hier

17. April 2011

zwischen rautheim und riddagshausen, die abendsonne hängt orangerot über den baumwipfeln, die straßen sind fast leer, die sonntagsspaziergänger und -radfahrer warten im wohnzimmer auf tagesschau und tatort und dann dieses lied im ohr.

wenn irgendetwas gut ist, dann das hier (muff potter – wenn dann das hier)

Letzte Woche habe ich es endlich geschafft – ich habe das Marta besucht.
Zu sehen gab es die Ausstellung „Things are queer“ mit Werken aus der Sammlung UniCredit. Eine Ausstellung mit vielen Arbeiten ganz unterschiedlicher Art, mit berühmten neben weniger bekannten Künstlern.
Die fünf Räume sind Themen zugeordnet: Es geht los mit den DINGEN AN SICH über die BANALITÄT DER DINGE und KONSTRUKTION UND BEFREMDEN zu MERKWÜRDIGEN GEWÄCHSEN bis schließlich der KAMPF MIT DEN DINGEN die Ausstellung schließt. Man liest die Einleitungstexte, schlendert entlang der Wände, bleibt vor den Kunstwerken stehen. Manchmal amüsiert, selten staunend.
Irgendwie sind sie alle dabei, Andy Warhol, Yves Klein, Martin Kippenberger, Andreas Gursky, Gilbert & George, Bernd & Hilla Becher, Hans Op de Beek, Sigmar Plke, Neo Ruach, Man Ray, Gerhard Richter, Kurt Schwitters, Thomas Struth.
Irgendwie scheint alles ziemlich belanglos. Und es beschleicht einem das Gefühl, unter dem Titel „Die Dinge sind seltsam“ hätte genauso gut ein Stuhl stehen können, neben einem Tisch auf dem ein Glas Wasser steht.
Da kann der Katalogtext noch so viele Gemeinsamkeiten und Seltsamkeiten aufdecken, was am Ende der Ausstellung bleibt ist ein Einblick in die Seltsamkeit des Kunstbetriebs. Ein Geldgeber sammelt Werke, bei weitem nicht die bedeutendsten bedeutender Künstler, will sie der Öffentlichkeit zugänglich machen und damit sein Image aufpolieren. Und irgendein Kurator sucht nach einer Überschrift, entwirft eine konstruierte Fragestellung um die eigentlich lose Sammlung dem Publikum als zusammenhängendes Werk zu präsentieren.
Irgendwie passt das schon.

sonntagnachmittag

16. Januar 2011

(Foto: Tanja Telieps)

im Ohr: Passion Pit – Sleepyhead.

Findet ihr unter denken.

Herr S. und der Vollmond

29. September 2010

Herr S. war ein mittelgroßer Mann im mittleren Alter. Er lebte in einer Großstadt, nicht zu groß, Leute aus der richtigen Großstadt würden sie Provinzstadt nennen, aber Herr S. fand die Stadt, in der er lebte, manchmal erschreckend groß.
Herr S. wohnte in einem Hochhaus im achten Stock. Über ihn wohnten in sieben Stockwerken Menschen in den gleichen Wohnungen wie seine es war. Auch das erschreckte Herrn S. manchmal. In dem Hochhaus gab es einen Fahrstuhl. Herr S. nahm gewöhnlich die Treppe, Fahrstühle stimmten ihn traurig und machten ihm meistens Angst. Nur gelegentlich, wenn er auf dem Wochenmarkt zu viel gekauft hatte, benutzte er den Fahrstuhl in den achten Stock.
Herr S. arbeitete in einem gläsernen Bürogebäude am anderen Ende der Stadt. Jeden Tag fuhr er mit der Straßenbahn um 7:35 zur Arbeit. Dafür verließ er um 7:25, nach einem prüfenden Blick in den Spiegel, die Wohnung. An der Marktkirche musste er in Linie 5 umsteigen. Dann nutzte er die Zeit und studierte die Schlagzeilen der Tagespresse. Nie kaufte er eine Zeitung. Manchmal nickte Herr S. der alten Dame hinter dem Kiosk zu. Dann setzte er sich in die Bahn, stieg direkt vor seiner Arbeitsstelle aus und verschwand für exakt 8:45 durch die gläserne Drehtür im Gebäude.

Herr S. liebte Spaziergänge. Meistens ging er dann zum großen Fluss, selten in den Wald. Herr S. mochte den Wald nicht, er verwirrte ihn und oft fand er den Weg nicht zurück. Herr S. mochte den geraden Flusslauf und die Strömung. Hier verwirrte sich nur seine Gedanken und das mochte Herr S. Herr S. war fast immer allein und, obwohl er es sich nicht vorstellen konnte, sein Leben mit jemanden zu teilen, war er manchmal einsam. Herr S. war ein gewöhnlicher Mann. Seine dunkelgrauen Haare trug er kurz, jeden Tag rasierte er sich. Zur Arbeit trug er immer Anzüge in dezenten Farben. Am Wochenende wusste er nicht, was er anderes hätte anziehen sollen, also trug er auch dann Anzüge. Herr S. war ein schlanker Mann, nur sein Kopf, so fand er, war ein bisschen groß. Aber das, glaubte er, musste an dem riesigen Vollmond liegen, der sich irgendwann in seiner Kindheit in seinem Kopf festgesetzt hatte. Mit den Jahren war nicht nur sein Körper gewachsen, auch der Vollmond hatte zugenommen. Manchmal fühlte sich Herr S. der Last des Mondes nicht gewachsen, doch er ertrug sie geduldig. Jeden Tag, wenn er zur Arbeit ging oder an den Fluss.

An einem Samstag, einem Fluss-Tag, ging Herr S. seinen gewohnten Weg am Ufer entlang. Es war diesig, grau und ungemütlich, aber das schreckte ihn nicht ab. Ein bisschen fühlte er sich von der schweren Luft ummantelt und geborgen. Graue Tage waren seine Lieblingstage, denn dann störten ihn nicht die vielen Menschen, die bei gutem Wetter aus der Stadt an den Fluss strömten. Herr S. hasste das laute Gewusel, die Fröhlichkeit, die Sonne, den Geruch nach Eis und Erfrischungsgetränken. Aber an diesem bestimmten Samstag war alles so, wie er es mochte: grau, kalt und ruhig. Also ging Herr S. am Ufer entlang, er ging langsam, denn seine Gedanken rannten nur so in seinem Kopf. Herr S. hatte eine schwangere Frau gesehen. Allein das fand er unverantwortlich. Er konnte nicht verstehen, wie man in eine solche Welt, eine solche Stadt, in der Herr S. lebte, ein Kind gebären? Aber nicht genug. Die Frau hatte einen kleinen Jungen an der Hand und dieser Junge stritt sich gerade mit seiner Schwester. Worum es genau ging, konnte Herr S. Nicht feststellen und eigentlich kümmerte es ihn auch nicht. Ihn störte nur das laute Geschrei des Jungen. Es störte ihn in seiner Ruhe und vor allem machte es den schweren Vollmond noch schwerer. Also beeilte sich Herr S. von der kleinen Familie wegzukommen. Als er das Geschrei nicht mehr hören konnte, verlangsamte er seinen Schritt und versuchte sich auf die gleichmäßige Strömung des Flusses zu konzentrieren. Aber nicht einmal das gelang, denn wie so oft an diesigen Tagen war der Fluss unruhig und die Wellen peitschten an die Kaimauer. Und dann passierte etwas, was Herrn S. noch nie vorher passiert war: Er setzte sich auf einen der Bänke. Und während er saß, merkte er, wie die Gedanken in seinem Kopf sich verlangsamten und der Vollmond an Gewicht verlor. Herr S. blieb noch eine Weile sitzen und versank in seiner Gedankenwelt.

Als Herr S. nach einiger Zeit aufschaute, sah er das Mädchen von vorhin und erschrak. Sie hatte sich neben ihn auf die Bank gesetzt und beobachtete ihn. „Warum sind Sie so traurig?“ fragte das Mädchen. Herr S. antwortete nicht. Er sprach gewöhnlich nicht mit fremden Personen. „Warum sind Sie so traurig?“ fragte das Mädchen noch einmal. Herr S. schaute sie an. „Weil die Last des Mondes mich erdrückt.“ – „Aber der Mond ist doch noch gar nicht da,“ antwortete das Mädchen. „Der Mond ist immer da,“ entgegnete Herr S. Das Mädchen stand auf und verschwand. Herr S. schaute ihr nicht nach. Er starrte auf den Fluss. Plötzlich stand das Mädchen wieder neben ihn und hielt ihm eine Rose entgegen. „Für Sie“. Herr S. nahm die Rose und wollte sich bedanken, aber da war das Mädchen schon weggerannt.

Vorsichtig stellte Herr S. die Rose in eine Glasvase. Er hatte suchen müssen, bis er ganz hinten im Schrank noch eine gefunden hatte. Lange betrachte er die Blume, dann ass er sein Abendbrot. Um 21:30 schlief er ein. In dieser Nacht träumte er von der Rose. Sie war in seinem Kopf und wurde immer größer. Mit einer Dorne riss sie ein Loch in den Vollmond. Der Mond fiel in sich zusammen und floß dickflüssig aus seinem Ohr. Herr S. lächelte im Schlaf.

Ausgehen

26. August 2010

Findet ihr unter lesen.