The Charge Of A Light Brigade 2

The Charge Of A Light Brigade 2

 

 

Ich muss zugeben, ich bin ein Dirk-von-Lowtzow-Fan. Für mich gibt es keinen größeren Poser als ihn, keinen der die großen Gesten des Rock, die der politischen Gegenkultur und die des Künstlertums besser in sich vereint als er.
Jedes Mal, wenn ich ihn sehe (so geschehen im Videostream auf fm4.orf) bleibt die Frage: Nimmt er sich ernst? Wenn er mit dem neuen Album von Phantom/Ghost das Scheitern der eigenen Gesten reflektiert, inwieweit ist das auf seine Rolle bei der Rockband Tocotronic bezogen? Eine Rockband muss schließlich große Gesten ausführen, den Bogen ein bisschen überspannen.
Was ist das jetzt genau, Herr Lowtzow, was Sie da veranstalten? Bewusster oder unbewusster Camp?
Ich glaube, er ist sich als Sänger der Posen bewusst, braucht sie aber auf der Bühne, braucht sie um sich wohl zu fühlen. So gesehen ist es eine Mischung: bewusster Camp, weil er den Bogen überspannt, zu viel will, zu viel agiert. Aber gleichzeitig auch die Reinform des Camp, weil er, auf der Bühne immer auch ein Stück von sich selbst freigibt. Beim Singen ist er er selbst, Singen ist ein Ausdruck des tiefsten Inneren einer Person. Da kann noch so viel Gestik, so viel Maskerade die Person (im Übrigen: persona=Maske) verdecken, Stimme und Ausdruck kann nicht vollständig manipuliert werden. Und so ist Dirk von Lutzow zwar Sänger zweier Bands, er wird auch in zwei unterschiedliche Sänger-Rollen schlüpfen, und trotzdem bleibt es immer seine Stimme, die an das Ohr des Hörers dringt. Etwas, was er variieren, aber nicht leugnen kann. Und so ist das Gerede über die bewusste Zurschaustellung des Dilettantismus ein Ablenkungsmanöver dafür, dass ein Rockstar nicht anders kann.

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